SOGNA VENEZIA – La Serenissima

Ich denke an Venedig mit gemischten Gefühlen.
Diese Stadt ist wohl eine der schönsten, faszinierendsten, einzigartigsten und schillerndsten der Welt gewesen. Magnet für Künstler, Schöngeister, Ästheten, Dichter, Lyriker, … Eine einzige Filmkulisse für Träume.
Eine Stadt, die schon immer eine besondere Stellung auch in der Geschichte hatte.
Aber die Einzigartigkeit implementiert auch ihre Tragik.
Denn diese Stadt stirbt. Und an trüben Tagen spürt man das. Die Fassaden bröckeln, die Farben blättern ab. Trotzdem weht dieser Traum vergangener Zeiten durch die Kanäle und Gassen. Aber irgendwie hat es was von einem Tanz auf dem Vulkan.

Gebaut inmitten einer Lagune, zum großen Teil auf Pfählen, so eng verbunden mit dem Meer, dem Wasser und ihm auch so ausgeliefert.

In einem meiner Reiseführer hieß es unter der Rubrik „Don’ts“:
Man solle nie traurig nach Venedig fahren.
Dem stimme ich zu. Diese Stadt hat eine Melancholie, die die sanft umspülen oder in die Tiefe ziehen kann. Weiter stand in dem Text, dass sich im Jahr mehr Besucher selbst das Leben nehmen als Einheimische.

Und wenn man dann wie ich im Februar her kommt, dann ist das alles auch irgendwie nachvollziehbar. Das trübe, nebelige, mystische Wetter hat einen ganz eigenen Zauber und doch eine unglaubliche Faszination.

Aber von vorne:

13. Februar 2016

Die Natur hat zu früher Morgenstund wunderschöne Eisblumen auf die Steinplatten zaubert. 🙂

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Leider sind die Flugverbindungen nicht so wirklich ideal. Bin erst 9:55 Uhr in Schönefeld gestartet, oder sollte zumindest. EasyJet hat es geschafft 30 Minuten Verspätung zu haben. Eine Verspätung, die von meiner kostbaren, knappen Zeit abgeht. 😉
Aber dann geht’s los. Ziel: Venedig – Marco Polo
Vom Flughafen, der auf dem Festland ist, muss man dann erstmal nach Venedig kommen. Eigentlich wollte ich mit dem Bus fahren, weil das die schnellste Verbindung ist, aber dann habe ich mir gesagt:
Die einzig wahre Annäherung an Venedig kann nur übers Wasser erfolgen. Also hab ich mir ein Tagesticket für den Bus (Busboote) geholt.

Bin allerdings gleich in Madonna dell ‚Orto ausgestiegen, da ich durch’s Ghetto, das jüdische Viertel zum Hotel laufen wollte.

Kaum war ich ausgestiegen und mit ein paar Schritten auf der ersten kleinen Piazza gelandet, da strömte mir der Duft von frisch gewaschener Wäsche entgegen. Eine venezianische Mama fegte den Platz vor ihrem Haus und alles wirkte so idyllisch.

Für die Kirchen zahlt man in Venedig überall Eintritt. Ich betrete zwar Madonna dell’Orto, aber die ist so schlicht, dass ich mich entscheide, erstmal weiter zu gehen.

Hier ist alles irgendwie so ursprünglich, so wenig auf Tourismus poliert. Das gefällt mir.

Und dann komme ich auf einen Platz, auf dem jetzt auch mehr los ist. Stände mit den typischen Souvenirs und dem Teatro Italia.

Und dann kommen auch schon die ersten Shops mit den Masken 😀

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Oh und Schuhe können sie auch, die Italiener!

Oh und dann entdecke ich eine sehr schöne Kirche, allerdings verschlossen, aber das Symbol über der Tür fasziniert mich 😉 Die Santa Maria Maddalena in Cannaregio. Über dem Portal das allsehende Auge, wobei hier die Dreifaltigkeit in Form den Dreiecks mit der Unendlichkeit des Kreises vereint wurde.

Direkt hinter der Kirche liegen sie dann: die ersten venezianischen Gondeln, die ich auf meinem Besuch sehe. (Viele Inder hier, die sich damit fotografieren 😉 )

Ich bin auf der Suche nach der alten Apotheke, die heute den „Merchant of Venice“ beherbergt. Davor komme ich aber noch an einer Kirche vorbei.

In der alten Apotheke befindet sich ein Duftparadies. Aussergewöhnliche, edle Duftkompositionen werden hier angeboten. Das Ambiente ist wundervoll und trotz der verschiedenen Düfte erschlägt es einen nicht. Ich schließe die Augen und lasse mich ein wenig treiben. Kann gar nicht sagen, was ich genau rieche, aber es riecht toll.
Da ich immer noch bepackt bin, gehe ich weiter.
Hier um die Ecke ist eine kleine Brücke, die noch so wie vor vielen Jahren, ohne Geländer über’s Wasser führt. Keine große Attraktion, aber eine Einzigartigkeit.

Ich laufe weiter, vorbei an einem MacDonalds ??? Wer baut denn bitte sowas nach Venedig??? Und warum sitzen auch noch so viele Leute drin? Dafür komm ich doch nun wirklich nicht hierher. Sowas fotografiere ich noch nicht mal!

Ich schlendere weiter durch die Gassen:

Immer weiter, durch die Gässchen, über Brücken, an Kanälen entlang.

Die nächste Kirche, an der ich vorbei komme, stand auf meinem Plan:
Santa Maria dei Miracoli
Und hier bin ich auch wirklich rein.

Als nächstes komme ich auf einen großen Platz mit einer Statue, einer Kirche und dem großen Krankenhaus.
Die Santi Giovanni e Paolo ist der größte und bedeutendste Sakralbau der venezianischen Gotik und war eine bevorzugte Grabesstätte der Dogen.

Ich wähle die schmalste der kleinen Gässchen in Richtung zu meinem Hotel 😉

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Von hier aus ist es nicht mehr weit zu meinem Hotel Locanda Silva.

Die nette Dame am Empfang spricht kaum englisch, also werden wir uns mit meinem wenigen italienisch und ihrem wenigen englisch durchschlagen müssen 😉
Mein Zimmer ist spartanisch, aber für die eine Nacht reicht das völlig. Mein Fenster geht in die kleine Gasse zwischen den Häusern. Es sind knapp 1,5-2 m zur nächsten Hauswand. Ich mag keine geschlossenen Fensterläden, also öffne ich die erstmal.

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Schnell alles umpacken in meine Handtasche und weiter geht’s! 😀

Und dann komme ich ans Bacino San Marco, auf die Riva degli Schiavoni. Auch hier wurde Vittorio Emanuele II. ein Denkmal gesetzt. San Giorgio Maggiore, Santa Maria della Salute. Die berühmte Blicke.

Ich bin jetzt also nur noch einige Meter vom berühmtesten Platz entfernt.

Ich hatte mir zwar einige Spots ausgesucht, die ich gerne sehen wollte, aber ich hatte auch geplant mich ein bisschen zu verlaufen 😀 Und wirklich, den Palazzo Contarini del Bovolo zu finden war gar nicht so einfach. Ich war ein bisschen zu weit östlich unterwegs. Dafür bin ich so am Goldoni-Theater vorbei gekommen.

Direkt zu Füßen fuhr eine Gondel mit einem Musiker vorbei:

Aber schließlich hab ich Scala del Bòvolo doch noch gefunden:

Ich beschloss meine Pläne ein wenig zu ändern. Eigentlich wollte ich noch Dorsoduro, hoch nach Santa Croce laufen und dann mit dem Boot zurück zum Markusplatz. Aber es war doch schon halb 4. Ich entschloss mich zur Santa Maria della Salute zu laufen. Aber erst mal einen Caffè. Und dann weiter zum Gran Canal und der Ponte dell’Accademia.

Ich hatte im Vorfeld gesehen, dass der Palazzo Cavalli-Franchetti so schön sein soll.

Auf der anderen Seite der Brücke landet man direkt vor der Gallerie dell’Accademia.

Ich nähere mich Santa Maria, der Kirche an der Spitze von Dorsoduro, die nach einer Pestplage gebaut wurde und auf einer Millionen (!!!) Pfähle steht.

Eine wunderschöne Kirche.
Auch wenn die Kirchen hier nicht so pompös sind wie in Rom, diese hier hat eine ganz besondere Atmosphäre, eine weite, lichte Energie.

Aus dem Altarraum klang Orgelmusik und man durfte ihn auch nur zum Gebet betreten.

Jetzt noch ganz nach vorne 😀

Jetzt muss ich aber endlich mal TRAGHETTO fahren 😀 Hatte vorher schon gesehen, dass ich an einer Haltestelle vorbei bin. Für 2,- € wird man auf die andere Seite gebracht.

Ich komme Santa Maria del Giglio an und mache mich auf den Weg zurück in mein Hotel. Kurz umziehen und dann ins Hilton Molino Stucky.

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Mein Ziel zum Essen und für nen Drink mit Blick auf Venezia ist drüben auf Giudecca

Und dann muss ich zugeben, dass es mir zwischendurch doch etwas gruselig wurde, als ich durch die teils engen, dunklen Gassen zum Hotel zurück gelaufen bin.
Nachts, wenn die anderen Sinne geschärft werden, wenn Geräusche lauter erscheinen, Schritte in den engen Gassen hallen, Geräusche aber auch wieder vom Wasser geschluckt werden, dieses trüb-türkise Wasser, das das bisschen Licht reflektiert. Man versteht, warum soviele Krimis hier entstanden sind. Die Mystik der Stadt breitet sich aus, der dunkle Mantel der Nacht reizt die Phantasie, versetzt einen in HAb-Acht-Stellung.

Ich hätte gerne die Läden an meinem Fenster wieder geschlossen, aber ich hab mich noch nicht mal getraut, den Vorhang zur Seite zu schieben.
Ich fand „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ nicht gruselig (bis auf den Schluss), aber plötzlich hatte ich das Gefühl, dass hinter dem Vorhang diese Fratze lauert. Oh man, es hat mich einiges gekostet, dann doch ruhig einzuschlafen.

14. Februar 2016

Am nächsten Morgen bin ich wieder früh raus. Die nette Dame am Empfang hat mir extra ein Croissant warm gemacht und mir noch n Apfel und ne Banane mitgegeben, da es ja noch kein Frühstück gab.
Es war Regen für den ganzen Tag angekündigt und ich wußte, dass ich keinen Sonnenaufgang bekommen würde. Trotzdem, den Piazza San Marco im Morgenlicht wollte ich sehen. Und ich war mir sicher, dass ich kaum jemanden treffen würde. Und so war es. Venedig im hellblauen Morgenlicht ist echt schön!

Es fing schon an zu nieseln. Ich hatte leider mein Impermeabile zuhause vergessen 😦 und all die Stände mit ihren fleißigen Verkäufern waren auch noch nicht da. Na mal sehen. Ich entschloss mich also erstmal mit dem Bootbus den Grand Canal hochzufahren. Bis nach San Stae. Ausserdem hatte ich das Fenice ja noch auf dem Plan.

Um 8 Uhr klangen die Glocken von Venezia über den Gran Canal.

Es gestehe, als ich da so auf dem Vaporetto stand und mir Venedig im Regen anschaute, hatte ich das Gefühl, ich hatte noch nie was traurigeres gesehen. Die Stadt, die so stolz, so unendlich schön war, verging einfach, war den Kräften der Natur hilflos ausgeliefert. Versuchte sie doch so verzweifelt sich das nicht anmerken zu lassen und doch, sie stirbt. Diese morbide, triste Stimmung hatte mich voll erwischt. Der Regen tat das übrige. Irgendwie hatte ich auch gar nicht mehr so viel Lust mir noch was anzuschauen.

Es regnet nur schon mehr, aber zum Glück wird man zwischen den Häuser nicht sooo nass.

Zwischendurch hab ich endlich einen kleinen Laden gefunden, wo ich einen hässlichen rot, violetten Knirps gekauft habe. Wollte eigentlich lieber einen mit Venedig-Motiv. Gab’s aber nicht. Die Alternative war Animalprint. Naja, Hauptsache trocken. Leider haben auch die Cafés noch nicht auf. Ist alles ganz schön verschlafen hier.

Nicht weit vom Campo di Barnaba hab ich dann aber einen echt süßen Laden gefunden. Erst lief Werbung im Fernsehn, aber nachdem ich mir ein Schoko-Cornetto und einen Caffè bestellt hatte, schaltete sie Musik an und begann mitzusingen, während sie alles für den Tag vorbereitete. Es kamen immer wieder Leute vorbei, die herzlich begrüßt wurden und ohne dass sie was gesagt hatten, bedient wurden.
Ich hab mir dann noch ein Wasser und ein Tramezzini mit Tuna und Artischoken mitgenommen und dann zurück zur Vaporetto Station Ca‘ Rezzonico gelaufen.

Ich bin wieder rüber zu S. Maria del Giglio gefahren und dann Richtung Gran Teatro La Fenice gelaufen.

Ich hatte gelesen, dass man Führungen durch das Theater machen kann und wollte das gerne machen. Und wie wunderbar, diese Führung bestand darin, dass man einen Audioguide bekam und sich frei bewegen konnte.

An dem Punkt dachte ich noch: Ja, ganz nett. Und dann kam ich in den Theatersaal.
Dieses Theater hat mich so umgehauen, dass es mir Tränen in die Augen getrieben hat. Ich glaube, das ist das schönste Theater, dass ich je gesehen habe. Ich saß erstmal ne viertel Stunde einfach nur da, bevor ich weiter dem Audioguide und der Geschichte des Fenice lauschte.

Meine Fotos geben nicht wirklich die Schönheit wieder, trotzdem möchte ich sie mit euch teilen:

Und dann ging es ja noch weiter durch’s Theater

Und noch weiter in die Appolo Säle

Wie schwebend hab ich das Theater dann wieder verlassen, hab mir aber vorher noch ein kleines Heft, ein paar Postkarten und einen Anstecker gekauft.

Vorm Theater noch ein paar Reste vom Karneval, die man in der ganzen Stadt noch finden konnte.

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Zum Mittagessen war es noch etwas früh, aber ich hatte ja noch mein Tramezzini. Damit machte ich mich auf den Weg zurück zum Piazza San Marco. Vielleicht konnte ich ja noch in den Palazzo Ducale oder die Basilica San Marco.

In einem kleinen Handwerksladen kaufte ich mir noch eine echte venezianische Maske.

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Der Nachteil ist, bei so einem Wetter ist man ja nicht die einzige, die eine solche Idee hat. Die Schlange war bei allen Gebäuden so lang, dass ich mich dagegen entschied. Ich lief an der Riva degli Schiavoni entlang. Jetzt endlich waren auch alle Verkaufsstände da. Ich kaufte mir noch einen schönen schwarz-weißen Venedigschirm und ein rotes Cape 😉

Und so klang das den ganzen Tag:

Zumindest setzt der Regen Farbpunkte 😀

Diese Gamaschen hätte ich mal kaufen sollen!!!

Ich bin noch bis zur Via Giuseppe Garibaldi gelaufen. Immerhin hatte ich ja noch viel Zeit bis zu meinem Rückflug.

Ich hab erstaunlich wenige Pärchen gesehen, obwohl heute doch Valentinstag ist.

Valentinstag

Spaziergang im Regen

Zwischendurch haben die Glocken zum Mittag geschlagen:

Danach bin ich zurück ins Hotel und hab mich ne Stunde wieder aufgewärmt und versucht trocken zu werden.

Ich hatte beschlossen, mit der Linea blu zum Flughafen zu fahren. Die fuhr über Lido und Murano. So würde ich das noch ein bisschen was sehen, aus dem Trockenen.

Vorher wollte ich aber noch was essen. Nicht weit von meinem Hotel hab ich dann ein süßes kleines Lokal gefunden und ein leckeren Menu gegessen

Valentinsmenü

Und dann hieß es Abschied nehmen von VENEZIA.

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Ach ja:

Mein rotes Cape will ich euch natürlich nicht vorenthalten 😉

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3 Gedanken zu “SOGNA VENEZIA – La Serenissima

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